Die Überwinterung der Griechischen Landschildkröte

Die Kältestarre (Hibernation) gehört dazu.

 

Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, und die Temperaturen fallen, dann bereiten sich alle Arten der Europäischen Landschildkröten  auf die bevorstehende Kältestarre vor.
Das verursacht nicht nur die fallenden Temperaturen, sondern auch die kürzeren Tage und den damit verbundenen Lichtmangel.

 

Um den Schildkröten eine optimale Wintervorbereitung zu gewähren, muss man natürlich wissen, was die Natur damit bezweckt und was in dem Reptil passiert.

Da Schildkröten, als wechselwarme Lebewesen, auf Wärme und Licht angewiesen sind, ist diese Zeit in freier Wildbahn notwendig um das Überleben zu sichern.

Schließlich sinken auch im Mittelmeerraum die Wintertemperaturen teilweise weit unter den Gefrierpunkt. Bei zu kalten Temperaturen funktioniert der Stoffwechsel nicht und längere Zeit unter dem Gefrierpunkt würde für eine mediterrane Landschildkröte den sicheren Tot bedeuten.

 

Nun werden sich einige Schildkrötenliebhaber denken, dass wir Menschen, unseren gepanzerten Freunden, das alles doch leicht ersparen könnten. Immerhin steht uns eine ganze Palette an Technik dafür zur Verfügung. Auch gibt es einige Schildkrötenhalter, die gerne so ein Reptil in einem Glasterrarium im Wohnzimmer sehen würden und so in den kalten Wintermonaten, bequem vom Lehnstuhl aus, gewärmt vom Feuer am Kamin, die Schildkröten beobachten wollen.

 

Schildkröten sind jedoch Wildtiere und das bleibt sie trotz menschlicher Pflege.

 

Die innere Uhr dieser Tiere tickt eben nicht in dem Rhythmus, den wir gerne hätten, sondern immer in dem, wo ihre eigentlichen Wurzeln her stammen.

Insofern gibt es Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten der Europäischen Landschildkröten, ja sogar zwischen den verschiedenen Unterarten und Lokalformen.

So werden wir, als aufmerksame Halter bald merken, dass sich eine Griechische Landschildkröte der östlichen Unterart (testudo hermanni boettgeri) sowohl in der Vorbereitung, als auch in der Art der Winterruhe von der westlichen Unterart (testudo hermanni hermanni) unterscheidet. Und selbst da kann man Unterschiede zwischen den verschiedenen Herkunftsgebieten beobachten.


Für uns Halter bedeutet das, den natürlichen Lebensraum, vor allem aber die klimatischen Bedingungen, so gut als möglich  zu gestalten

Ganz ohne Technik ist das in unseren Breitengraden nicht gut zu bewerkstelligen.
Im Innenraum eines Frühbeet oder Gewächshaus ist die Luft noch lange milder als draußen. So kann man, je nachdem in welcher Gegend man lebt, nur durch die Verglasung, ein mediterranes Klima  sehr gut nachahmen.

In kälteren Gebieten, oder an einem weniger sonnigen Standort,  kann ein zusätzlicher Einsatz von Wärmelampen notwendig sein. Durch diese Technik wird die Kältestarre noch ein wenig verzögert und die Tiere haben dadurch eine etwas längere Aktivitätszeit.

Vor allem aber sinkt die Temperatur nicht so plötzlich, wie es bei uns vorkommen kann.


Wenn es draußen (meistens im Oktober) schon sehr kalt ist, dann sperre ich meine Tiere in den Frühbeeten bzw. Gewächshäusern ein. Da sind sie nicht mehr sehr aktiv und entsprechend gemindert ist ihr Bewegungsdrang.

 

Um zusätzlichen Stress vor der Kältestarre zu vermeiden halte ich in dieser Zeit die Geschlechter voneinander getrennt.
Die Vorbereitung geschieht, wie auch in der Natur, ganz automatisch und ohne menschliches Zutun.
An einem schönen sonnigen Tag wird schon noch das eine oder andere Blatt verzehrt, im Großen und Ganzen stellen die Tiere aber die Nahrungsaufnahme ein.


Eine Badeschale steht immer zur Verfügung. Diese nutzen sie auch gerne.

Mit den fallenden Temperaturen werden die Tiere immer inaktiver, verweilen steif in ihren engen Höhlen, bis sie sich, meist erst gegen Ende November, ganz in die lockere Erde eingraben.


Da ich mein Gewächshaus entsprechend untergraben habe und so eine Überwinterungsgrube, welche mit einem Erd-Sandgemisch gefüllt wurde, gebaut habe, belasse ich meine Tiere einfach dort.

 

Eine dicke Laubschicht gibt eine zusätzliche Isolierung. Ich verwende dazu Laub aus einem nahen Mischwald.

Wer keinen geeigneten Unterbau unter dem Frühbeet hat, muss die Tiere rechtzeitig in eine Kiste setzen. Diese sollte so hoch mit ganz normaler Erde aus dem Garten, gefüllt sein, dass sich das Tier komplett darin vergraben kann. Die Erde darf nicht zu trocken sein. Obenauf eine schöne, dicke Laubschicht und ab in einen kühlen Raum.  Dieser darf nicht über längere Zeit unter 1°C und nicht dauerhaft über 10°C haben. Optimale Temperaturen (4-6°C) erreicht man sehr gut in einem Erd- oder Weinkeller, aber auch ein Kühlschrank soll sich dafür gut eignet. Selbstverständlich sollte das ein eigener Kühlschrank (z.B. Getränkekühlschrank) sein und nicht der, in dem man seine Lebensmittel aufbewahrt.
Eine zufriedenstellende Vorbereitungszeit im Innenraum ist nur sehr schwierig zu bewerkstelligen. In diesem Fall muss man mittels Lampen und in einem entsprechend kühlen Raum die natürlichen Bedingungen nachahmen. Ohne teurer Technik scheint mir das kaum möglich zu sein und ich halte das auch nicht für sinnvoll.


Wenn wir den Tieren möglichst naturnahe Bedingungen schaffen, dann werden sie ohne Probleme ihren Instinkten folgen und sich ganz selbständig  auf die Überwinterung vorbereiten.
 

Im Frühling, wenn das Winterquartier  vom Isoliermaterial (Laub, Stroh) befreit wird und die Sonne die Erde aufwärmt, dann kommen die Schildkröten wieder munter und aktiv hervor.

Das neue Schildkrötenjahr kann beginnen!

Selbst ein langjähriger und erfahrener Schildkrötenhalter kann sich dieser übergroßen Freude, wenn seine gepanzerten Freunde gestärkt und voller Lebenskraft wieder erwachen, nicht widersetzen.

 

Europäische Landschildkröten brauchen die Kältestarre bereits ab dem Schlupfjahr

und zwar genau so lange, wie die alten Tiere auch.

 

Leider werden immer noch viele mediterrane Landschildkrötenarten statt der wichtigen Kältestarre im Handel oder auch auf privaten Internetplattformen angeboten.

Der Grundstein für ein langfristig gesundes Leben ist dann leider schon genommen. Die Folgen einer nicht artgerechten, winterlichen Innenhaltung zeigen sich leider erst in späteren Jahren.

 

Schildkröten sind eben zähe Tiere und sterben sehr, sehr langsam.  

 

 

Die Vorbereitung auf die Hibernation ist deutlich schwieriger, wenn sie die Tiere bereits ins Haus geholt haben und sie weiterhin bei warmen Sommertemperaturen pflegen.