April 15, 2019

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Wie ist das mit der Winterstarre? Gibt es da kein einfaches Rezept?

October 29, 2017

Jedes Jahr um diese Jahreszeit erreichen mich verzweifelte E-Mails oder Anrufe: „Nun fressen sie nicht mehr, sind kaum noch zu sehen, was soll ich jetzt machen?“ heißt es dann oft und am liebsten hätte, der verunsicherter Neueinsteiger ein Rezept, an das er sich ganz einfach nur halten muss.

Hat man nun ein gutes Frühbeet oder Gewächshaus, so braucht man sich jetzt nur noch zurück zu lehnen, den Ofen einheizen und durchs Fenster hinaus in den trüben und regnerischen Novemberhimmel schauen.
Die Tiere sollten, wenn man sie bis jetzt in Ruhe gelassen hat, sich völlig selbständig auf die bevorstehende Hibernation vorbereitet haben.
Ich selbst habe die letzten sonnigen Oktobertage dazu genutzt, meine Tiere, so sie noch nicht vollständig eingegraben waren, noch einmal in luftwarmes Wasser zu setzen. Ich verwende dazu eine flache Schale, sodass die Tiere selbständig das ihnen aufgezwungene Bad verlassen können. Alle meine Tiere genossen das Wasser, tranken zum Teil ausgiebig und einige gaben sogar noch ein wenig Kot ab. Nach dem heutigen Wissensstand muss der Darm nicht vollkommen geleert, der Magen sollte jedoch nicht mehr gefüllt sein. Da die Tiere, bei den Temperaturen, die im Frühbeet durchaus als mediterran beschrieben werden können, selbständig kaum noch Nahrung aufnehmen, Kot aber noch absetzen, machen sie das alles ganz ohne unser Zutun.

Das die Tiere in der Vorbereitungszeit nicht mehr an Gewicht zunehmen, sonder sogar abnehmen, sollte selbstverständlich sein. Wenn oben nicht mehr hinein kommt, jedoch hinten etwas heraus, dann muss das Tier zwangsläufig auch leichter werden.

Deutlich merkt man, dass sie ihre „Batterien“ nur noch wenig laden können und sie dementsprechend ruhig und inaktiv in ihren Verstecken sitzen. Das ist auch gut so, das ist ihre Art sich auf die Winterstarre vorzubereiten.

Nach dem Sturm der letzten Tage haben bei uns alle Bäume abgelaubt und sobald der Regen nachlässt und die Blätter abgetrocknet sind, geht`s ans Sammeln. Dann werden die Überwinterungsgruben mit Laub gefüllt. Einige meiner Tiere kommen ohnehin nicht mehr aus dem Unterschlupf unter dem Terrassenboden, der bei mir im Gewächshaus ist. In gewisser Weise also ein Holzverschlag im Gewächshaus, unter denen meine Tiere überwintern.
Wenn es weiterhin so kalt bleibt, werden sich auch die letzten meiner Europäischen Landschildkröten vergraben und dann ist absolute Ruhe im Schildkrötengehege. Der Winter kann kommen und ich freue mich schon aufs kommende Frühjahr, wenn die immer kräftiger werdenden Sonnenstrahlen, meist Anfang März, die neue Schildkrötensaison einläuten.
 

Und hier noch ein "Rezept" aus einam Uralten Rezeptbuch ;)
 

 

Man suche einen schönen, eher sonnigen Platz im Schildkrötengehege und beginne dort so tief als möglich zu graben. Zumindest sollte man so tief hinunter graben, dass man eine handelsübliche Mörtelwanne komplett versenken kann.
Bevor man diese Wanne versenkt, empfiehlt es sich am Boden der Wanne einige, Löcher von etwa 5-7mm zu stechen.
Dann schüttet man, in die Grube (die man am besten von einem starken Mann graben lässt) eine etwa 10cm hohe Schotterschicht als Drainage auf. Darauf wird die Wanne gesetzt. Der Rand der Wanne sollte nicht über das Erdniveau schauen, sondern komplett mit diesem abschließen.
Nun kann man die Wanne mit der lockeren, ungedüngten Erde (Mutterboden aus dem Garten) befüllen. Die Wanne sollte nicht mehr zu sehen sein.
Über dieser Überwinterungsgrube sollte sich selbstverständlich das Frühbeet oder Gewächshaus befinden, in denen die Tiere seit den kühlen Herbsttagen bereits ausbruchsicher verwahrt sind.
Die Höhle stellt man am besten mitten auf die Überwinterungsgrube. Man kann auch einen kleinen Haufen Laub oder Stroh hinein und oben drüber legen.

 

 
Die Tiere sollten jetzt bitte nicht hungern müssen und auf keinen Fall sollte man ihnen frisches Wasser vorenthalten. Zu fressen hören sie selbständig auf.

Sobald die Schildkröten dazu bereit sind, werden sie sich vollständig in die weiche Erde, meist unter der Höhle eingraben. Erst wenn die Tiere einige Tag, besser Wochen nicht mehr heraus kommen kann man die Höhle entfernen und das gesamte Frühbeet mit einer etwa 30 bis 50 cm dicken Laub- oder Strohschicht, aufzufüllen.
Wenn man zu große Angst vor warmen Sonnenstrahlen im Winter hat, kann man das Frühbeet noch mittels dunkler Plane komplett zudecken.

Sollen die Tiere nicht im Frühbeet oder Gewächshaus bleiben, sondern an einen anderen kalten Ort, wie z.B. einen Kühlschrank oder einen kalten Keller, gebracht werden, so ist nun der richtige Zeitpunkt, das bereits ruhende Tier vorsichtig aus zu graben, in eine Kiste (z.B. eine Kunststoffbox) mit entsprechender Erde zu setzen, Laub darüber und ab ins Überwinterungsquartier. Vergessen sie bitte nicht einen Kühlschrank regelmäßig  (1x in der Woche) zu öffnen und, falls die Erde zu trocken wird, diese vorsichtig zu befeuchten. Sie sollte nicht nass, aber auch nicht staubtrocken sein. Am besten ist sie genauso, wie sie eben draußen, im Schutze eines Frühbeets, unter dem Laub,  ist.

Nun können sie sich gemütlich zurücklehnen und sich ganz und gar dem Weihnachtsstress widmen.

Im Frühling, wenn wir unsere Winterjacken wieder in den Kellerkasten hängen, können  sie das Frühbeet wieder ausräumen und sich auf das neue Schildkrötenjahr freuen.

 

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Noch Fragen?

 

Gerne beantworten wir alle Fragen zu diesem, wie auch jedem anderen, auf Schildkröten bezogenes Thema im www.landschildkroeten-forum.eu Dort steht sogar eine eigene Rubrik zu WINTERSTARRE bereit.

 

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