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ÜBERWINTERUNGSVORBEREITUNG IM INNENRAUM

November 21, 2015

 

Leider kommt es immer wieder vor, dass Tiere noch im Schlupfjahr,  kurz vor der Kältestarre gekauft, bzw. verkauft werden. Oft heißt es dann, dass so junge Tiere keine Kältestarre halten. Das ist natürlich nicht richtig, wie sonst würden es wohl die Tiere in ihrem natürlichen Habitat macht. Eine Studie belegt auch ganz deutlich, dass diese erste Kältestarre, welche in der Natur die Tiere gleich nach dem Schlupf (dort schlüpfen sie erst in September/Oktober) machen, nicht nur sehr wichtig ist, sondern tatsächlich die Sterberate deutlich reduziert.

 

Dann heißt es:

Nun ist sie schon mal da und weil sie doch noch so klein ist hab`  ich sie im Terrarium. Außerdem hat mir der Züchter gesagt, dass ich ein so junges Tier noch nicht überwintern darf.

 

Leider hört man dieses Argument immer noch viel zu oft.  Nicht selten beginnt die Information über die Haltung und die damit verbundene Vorbereitung und Durchführung der Kältestarre erst dann, wenn die Schildkröte bereits gekauft ist und der Winter vor der Tür steht.
Ist das Tierchen dann bereits in ein Innenterrarium überführt uns sitzt bei hohen Sommertemperaturen und einen Nahrungsüberfluss  im Warmen, dann ist es nur sehr schwer das Tier auf die notwendige Kältestarre (Hibernation) einzustimmen.


Meist fehlen noch die notwendigen technischen Mittel um das Tier artgerecht, auch um diese Jahreszeit draußen, geschützt durch ein Frühbeet und einer entsprechend hellen und wärmenden Lampe, bei Mittelmeerraumtemperaturen eine natürliche Vorbereitungszeit zu gewähren.

 

Nun ist es aber passiert und was kann ich jetzt machen?

 

Eigentlich gibt es nur eine einzige Möglichkeit und die ist, das Klima dementsprechend zu korrigieren.
Dazu muss man natürlich wissen, was es genau ist, das die Tiere auf die Kältestarre einstimmt.
Im Mittelmeerraum bedeutet Herbst, genau wie bei uns auch, dass die Nächte länger und die Tage kürzer werden. Die Nachttemperaturen fallen, je nach Gebiet (und da gibt es sehr große Unterschiede) deutlich ab und auch die Tagestemperaturen erwärmen die Luft bei weitem nicht mehr so, wie im Sommer. Dort, wo diese Tiere jedoch eigentlich leben ist alles ein wenig gemäßigter als hier bei uns in Österreich oder Deutschland.

Mit einem guten Frühbeet oder Gewächshaus kann man die Temperaturen, sowohl nachts, als auch Tagsüber sehr gut nachstellen. In einer sonnenverwöhnten Gegend ist dazu nicht einmal eine zusätzliche Lampe notwendig. Durch die Frühbeet Verglasung erwärmt sich der Innenraum oft sogar mehr, als es den Tieren gut tut. Deshalb ist ein automatischer Deckelheber (der brauch keinen Strom) notwendig.

 

Gut und schön, jetzt hab` ich aber heuer noch kein Frühbeet und auch keine Möglichkeit das Tier draußen in einem geschützten Bereich zu überwintern!

 

Da gibt es nur eine Möglichkeit, man muss dieses Klima im Innenraum nachahmen.
Als erstes muss man überlegen, wo man das Tier Überwintern möchte. Dazu gibt es, auch wenn man kein Frühbeet mit entsprechender Überwinterungsgrube hat, mehrere Möglichkeiten.
Im Kühlschrank – natürlich ist damit nicht der Kühlschrank gemeint, der in der Küche steht und in dem man seine Nahrung aufbewahrt. Dazu braucht man schon einen eigenen Kühlschrank, am besten einen Getränkekühlschrank, den man im Keller stehen hat
Im kalten Keller – der sollte natürlich nicht geheizt werden und nicht unter 0°C und nicht über längere Zeit über 8°C kommen. Es eignet sich jedoch auch jeder andere Raum, der diesen Temperaturbedingungen entspricht.

 

 

Nun kann mit der Vorbereitung begonnen werden. Oft werden die Tier  trotz warmen Innentemperaturen bereits inaktiver, da sie so eine Art „innere Uhr“ besitzen und auf diese sollten wir Menschen auch hören.
Als erstes kann man damit beginnen, dass man das Tierchen nicht in einem herkömmlichen Glasterrarium hält, sondern eine, für das menschliche Auge zwar weniger schöne, für das Tier jedoch wesentlich bessere große Kiste (Mörtelwanne, Hasenkäfig, …) setzt. Die sollte möglichst naturnahe eingerichtet sein.

Als Bodensubstrat verwendet man, am besten gleich das Substrat, welches sich auch zur Einwinterung am besten eignet, nämlich ganz normale und nicht gedüngte Gartenerde aus dem eigenen Garten. Das sollte eine Höhen von mindestens 15cm haben. Ein schönes Stück Grassonde, die gut mit verschiedenen „Un“kräutern bewachsen ist darf man gerne auch hinein legen. Eine Wurzel zum Verstecken und gut wäre auch ein kleines Gebüsch (höheres Grasbüschel, Lavendel, Thymian, Salbei,…) aus dem Garten. Auch Laub und Stroh dienen gut als Pflanzenfilz, in denen die Tiere gerne ihre Verstecke suchen.
Darüber hängt man eine möglichst gute UV-Lampe (UV ist für junge Tiere sehr wichtig!), die auch gute Wärme abgibt. Unter der Lampe darf es ruhig an die 40°C haben.
 

Durch häufige Regengüsse (aus der Gießkanne) kann man in diesem winzig kleinen „Habitatsausschnitt“ schon ein wenig Herbst vorspielen. In einem niedrigen Blumenuntersetzer sollte trotzdem immer Wasser angeboten werden, damit das Tier auch nach einem Regenguss noch etwas zum Trinken und Baden hat.  Wenn möglich kann man auch durch Löcher im Boden der Wanne Staunässe verhindern. Durch ein „Wanne in Wanne System“ mit entsprechenden Abstand (eventuell zwei Ziegelsteine) lässt sich das gut machen.
Wichtig ist, dass diese Konstruktion  nicht in einem allzu warmen Raum steht, sonst erreicht man keine geeignete Nachtabsenkung. So manches unbeheiztes Schlafzimmer oder auch ein kühler Stiegen Aufgang könnte sich dazu eignen. Möglich ist auch eine Veranda oder eine Loggia.

 

Nun muss man auch die Tageslänge und die Sonnenstunden reduzieren. Das lässt sich bei einer „künstlichen Sonne“ leicht nachahmen, man brauch sie nur späte ein und früher ausschalten.

So kann sich das Tier recht gut auf den bevorstehenden Winter einstimmen.

Es hört ganz selbstständig mit der Nahrungsaufnahme auf, bleiben immer länger in ihrem Versteck vergraben, bis es letztendlich gar nicht mehr hervor kommt. Dann brauch man die Sonne auch nicht mehr scheinen zu lassen.

 

Das ist die Zeit, in der man die Schildkröte in ihr endgültiges Winterquartier bringen kann.

Ist dieses groß genug, wie z.B. in einem Keller, so kann man  es gleich in der Kiste lassen. Man braucht nur noch etwas mehr Laub oder Stroh (kein Heu, das schimmelt sehr bald!) als Isolierschicht drauf legen und die Kiste eventuell vor unbeliebten Nager schützen.

Möchte man das Tier im Kühlschrak überwintern, so kann man sie nun auch in eine kleine Box umbetten. Dazu nimmt man etwas Erde aus der Kiste (das Substrat muss so hoch sein, dass sich die Schildkröte komplett eingraben kann) , macht eine kleine Mulde und setzt das bereits inaktive Tier hinein. Man kann auch etwas Erde über das Hinterteil der Schildkröte geben, sie muss sich jedoch selbst und nicht durch menschliches Zutun wieder eingraben. Das kann jedoch einige Tage dauern. Am besten legt man gleich über das Tier Blätter und ab in den Kühlschrank.

 

Im Winter ist nicht mehr viel zu tun, man braucht lediglich gelegentlich nachschauen, ob das Substrat noch feucht genug ist und ob das Tier auch nicht munter an der Oberfläche herumkrabbelt. Ist die Erde zu trocken, so kann man mit einer Gießkanne in den Ecken der Kiste nachfeuchten.

Der Kühlschrank muss natürlich regelmäßig (einmal in der Woche) für kurze Zeit geöffnet werden, damit ein Luftaustausch stattfinden kann. Ein kleines technisches Gerät (UTA-Zwischenstecker) sollte bei der Kühlschranküberwinterung sicherstellen, dass der Innenraum nicht durch einen technischen Defekt durchfrieren kann. Dieses kleine Zwischenstück hätte schon so manchem Tier das Leben gerettet.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass die natürliche Kältestarre noch keiner gesunden Schildkröte geschadet hat, eine unnatürliche winterliche Muterhaltung jedoch vielen Tieren bereits das Leben gekostet hat. Leider kommen die Auswirkungen einer so unnatürlichen Haltung nicht unmittelbar zu tragen, sondern erst einige Zeit später. Zuerst wächst das Tier viel zu schnell, der Panzer kann kaum mit, sie wird höckerig. Erst Jahre später, wenn sie sich mit etwa 10 Jahre gerade am Anfang ihres adulten Daseins befindet, versagen die Leben, die Nieren und es kommt zu einem grausamen und langsamen Sterben.

Dabei könnte man das alles so einfach verhindern, wenn man es von Anfang an richtig gemacht hätte. Dem Tier nutzt das dann freilich gar nichts mehr!

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