Zucht und Aufzucht

 

Ein guter Züchter zeigt Verantwortung und zwar nicht nur für die Tiere, die er selbst pflegt und nachgezogen hat.

Er wird keine Massen produzieren, sondern lediglich so viele, wie er auch mit gutem Gewissen an Halter mit den entsprechenden Voraussetzungen weiter geben kann.


Ein Züchter mit Verantwortung, orientiert sich immer an der Natur, an den Gegebenheiten welche die Natur für die Tiere vorgesehen hat und hält auch seine eigenen Tiere dem entsprechend.

Er wird seinen Tieren ausreichend Platz bieten und für ein mediterranes Klima, mittels Frühbeet oder Gewächshaus sorgen.


Als guter Züchter weiß er selbstverständlich genau welche Art, bzw. Unterart er nachzieht. Er wird niemals verschiedene Arten oder Unterarten miteinander verpaaren.


Er wird sich immer auf dem neuesten wissenschaftlichem Stand halten, und auch dem künftigen Halter gute Literatur empfehlen. Viele Tagungen und Workshops bieten dazu Gelegenheit.


Er inkubiert die Eier seiner Schildkröten nach dem Wissen der Geschlechtsprägung, bestimmt dieses jedoch nicht bevor es deutlich erkennbar ist.


Ein Züchter der sich nach der Natur orientiert überwintert alle seine gesunden mediterranen Landschildkröten ab dem Schlupfjahr ein.


Er wird kein Tier vor dieser ersten Winterstarre und auch keines im Herbst oder Winter verkaufen.
Ein Züchter dem das Wohl der Tiere wichtig ist, der wird sich den künftigen Halter genauer ansehen und seine Tiere nur dann abgeben, wenn der neue Pfleger auch die Möglichkeit hat, den Tieren ein entsprechendes Heim zu bieten.


Selbstverständlich wird er dem künftigen Schildkrötenpfleger seine Anlage zeigen und ihm nicht nur vor dem Kauf, sondern auch danach mit gutem Rat zur Seite stehen.

 

 

 

Ein Züchter, der sich für seine Tiere verantwortlich fühlt

verkauft nicht seine Tiere, sondern die Liebe, das Verständnis

und das Wissen, was dieses wunderschöne Hobby ausmacht

Der Geschlechtsunterschied

 

Zwischen dem 8. und 10. Lebensjahr erreicht das Weibchen üblicherweise die Geschlechtsreife. Bei Männchen beginnt diese meistens schon früher.
Die Geschlechtsreife steht in einem direkten Zusammenhang mit der Größe des Tiers. So ist es durchaus möglich, dass sich eine Griechische Landschildkröte bereit mit 4 Jahren reproduziert. Allerdings erreich ein Tier, welches so schnell Aufgewachsen (Dampfaufzucht) ist, nur selten das 10. Lebensjahr. Das ist für eine Schildkröten die an die 100 Jahre alt werden kann natürlich viel zu kurz.  

Fast immer bleiben die Männer kleiner als die Weibchen.
Im Unterschied zum Männchen hat das Weibchen einen wesentlich kürzeren Schwanz und das Plastron (Bauchpanzer) ist gerade und nicht so, wie beim Männchen, nach innen gewölbt. Auch die Analschilder unterscheiden sich meistens voneinander.

Um eine ausgewogene kleine Gruppe in einem Gehege gemeinsam pflegen zu können empfiehlt es sich mehr Weibchen als Männchen zusammen zu setzen.
Bei einer gemischten Gruppenhaltung MUSS ausreichend Platz vorhanden sein. Meiner Ansicht nach sollten es nicht weniger als 10m² pro adultes Tier sein und das auch nur dann, wenn das Männchen von angenehmen und friedlichen Charakter ist.

Trotz allem sollte die Möglichkeit einer Trennung der Geschlechter in Betracht gezogen werden.

Paarung

 

Kurz nach der Winterruhe interessiert sich das Männchen für das weibliche Geschlecht. Dabei verfolgt  und umkreist er sein Weibchen, was teilweise sehr aufdringlich sein kann. Um sie zum still stehen zu bringen, beißt er sie, nicht gerade zärtlich in ihre Vorderbeine. Immer wieder versucht er sie von hinten zu besteigen. Der beim Männchen nach innen gewölbtem Bauchpanzer gibt ihm dabei einen guten halt. Das Männchen führt sogleich Kopulationsbewegungen aus. Dabei reißt er das Maul weit auf und man hört pfeifende, quiekende Laute.
Das männliche Geschlechtsorgan befindet sich in der Kloake und ist deutlich größer als der Schwanz. Immerhin muss er ja seinen Penis unter den Panzer des Weibchens bringen um diesen in die weibliche Klitoris (welche das Weibchen auch ausstülpen kann) zu bringen.
Eine Kopulation gelingt erst, wenn auch das Weibchen dazu bereit ist.
Das Weibchen kann die Spermen der männlichen Artgenossen einige Jahre speichern und so noch einige Jahre, auch ohne Begegnung eines Männchens, befruchtete Eier legen.

Eiablage

 

Etwa fünf, sechs Wochen später kommt es zur Eiablage.
Das Weibchen zeigt das meistens schon einige Tage vorher deutlich an. Es wird unruhig, läuft  stundenlang  im Gehege auf und ab. Nicht selten reitet ein hochträchtiges Weibchen bei anderen auf, womit sie sich lediglich Respekt verschaffen will um bei der Eiablage möglichst ungestört zu sein.  
In meinem Gehege finden die Weibchen mehrere Ablageplätze, die immer an einem Hügel sind. Nicht immer sucht sich das Weibchen einen lockeren Boden aus.

Durch beriechen und Probegrabungen wählt sie den idealsten Platz um ihren Nachzuchten die bestmöglichsten Entwicklungschancen zu geben.
Schließlich gräbt sie, oft nach einem warmen Regenguss, mit den Hinterbeinen unglaublich geschickt eine ca. 15 cm tiefe Grube aus. Nach und nach werden die Eier in dieses Loch gelegt, wobei sie jedes Ei vorsichtig mit den Hinterbeinen befühlt und in die richtige Position bringt. Erst wenn das Ei genau so liegt, wie sie es haben möchte, wird das nächst gelegt.

Je nach Größe und Unterart legt ein Weibchen 2-10 Eier pro Gelege. Im Durchschnitt sind bei meinen Tieren 6 Eier in einer Nistgrube und diese werden lediglich zwei bis maximal drei Mal im Jahr angelegt.
Wenn alle Eier abgelegt sind wird die Grube so sorgfältig verschlossen, dass kaum ein menschliches Wesen dieses Nest von außen erkennen kann.

Dabei stampf das Weibchen die Erde rund um die Eier fest, bis schließlich der gesamte Aushub festgetreten ist. Oft werden dabei dürre Grashalme und andere Pflanzen über die Stelle verteilt.

Letztendlich kann kaum ein menschliches Auge diese, so gut getarnte Stelle als Ablageplatz erkennen.

Inkubation

 

Nun ist es Zeit, die Eier sehr vorsichtig auszugraben und in den Brutapparat zu überführen. Ich lege die Eier ohne sie vorher zu reinigen in einen niedergebrannten Tonbehälter und bedecke sie komplett mit Erde, die ich üblicherweise gleich von dort entnehme, wo die Eier gelegt wurden. 
Ich zeitige die Gelege bei einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80% und einer Temperatur von maximal 34°C im ersten Drittel, wobei ich nachts die Temperatur immer auf normale Zimmertemperatur  absinken lasse. Später senke ich die Temperatur auch tagsüber ab, so kann ich den Embryo möglichst lange im Ei halten und ihm entsprechend Zeit zu einer gesunden Entwicklung geben.
Nach meinen Erfahrungen schlüpfen bei dieser Methode überwiegend weibliche Tiere.

In der Natur benötigen Griechische Landschildkröten eine Entwicklungsdauer von durchschnittlich 90 bis 120 Tagen. Bei vielen Züchtern verlassen die Tiere jedoch schon um den 55.Tag das Ei.
Ich kann mir vorstellen, dass sich dies auch auf das spätere gesunde Wachstum auswirken könnte, so wachsen meine Jungtiere auch nachher gleichmäßig langsam und nicht so rasant schnell, wie ich das früher beobachten konnte.

Schlupf

 

Sobald das Junge ausgereift und der Dottersack in den Bauchnabel eingesogen ist, ritzt es mit der Eischwiele, von innen die harte Eischale an. Meist bricht es dabei ein kleines Fenster auf. Diese Arbeit scheint sehr anstrengend zu sein und so muss sich das kleine gepanzerte Lebewesen zwischendurch immer wieder ausruhen. Es kann einige Tage dauern, bis der Schlüpfling endgültig das Ei verlässt.
Es kommt aber auch vor, dass dieser Schlupfvorgang innerhalb weniger Stunden erledigt wird. So waren die Eier am Abend noch heil und morgens sitzen schon die Kleinen putzmunter und völlig aus dem Ei geschält im Brutbehälter.


Da ich die Eier jedoch komplett in Erde vergraben inkubiere, kann ich diesen Vorgang nicht mitverfolgen. Meistens arbeiten sich die Schlüpflinge jedoch mitsamt der Eischale an die Oberfläche und sitzen  bei der morgendlichen Kontrolle, obenauf.


Die frisch geschlüpften Tiere bringen ein Gewicht zwischen 7 und 14 g auf die Waage. Mir wurde aber auch schon von wesentlich schwereren Tieren berichtet.
So winzig sie auch sind, sie sind bereits vollkommen lebensfähig und selbständig.

Aufzucht

Gerade das erste Lebensjahr ist für Schildkröten besonders wichtig. 

Wie alle Wildtiere unterliegen sie den Gesetzen der Natur, werden diese missachtet, so hat das verheerende Folgen für die Tiere. Leider zeigen sich die anfänglichen Haltungsfehler erst sehr spät.
Darum ist es nicht nur wichtig sich selbst ausführlich über eine artgerechte Haltung zu informieren, sondern auch den Züchter, bei dem man die Tiere erwirbt, auf die Haltung zu schauen. Um jedoch beurteilen zu können was einen Züchter mit Verantwortung ausmacht, muss man die Regeln einer artspezifischen Haltung kennen. Regeln, die niemand anderer vorgibt, als die Natur selbst

Unmittelbar  nach dem Schlupf setze ich das winzige, aber fertige Tier in die „Babystation“ im Frühbeet, wo sich das kleine Tier bald in die weiche Erde vergräbt. In den nächsten Tagen bekomme ich die frisch geschlüpfte Schildkröte kaum zu Gesicht.
Es dauert einige Zeit und man muss auch ganz genau schauen,  bis man die Schlüpflinge munter in dem dicht bewachsenen gut ein m² großen Babyfrühbeet entdecken kann.

Dort verbringen meine Tiere ihren ersten Sommer.
Durch den dichten Pflanzenfilz sind sie gut vor dem Austrocknen geschützt, finden reichlich Nahrung und werden durch die Sonnenstrahlen  mit Licht, Energie, Wärme und ausreichend UVA und UVB Strahlung  versorgt.

Ansonsten unterscheiden sich die Kleinen nur durch die Körpergröße von den adulten Tieren. Mutter Natur hat sie bereits mit all den Instinkten ausgestattet, die sie brauchen um in der Wildnis zu überleben.
Sie wissen ja nicht, dass sie in meinem Gehege wesentlich besser geschützt sind als in freier Wildbahn. So hat kein Raubvogel, kein Marder und auch kein anderer Prädator Chancen an die Tiere zu kommen, da diese, gut geschützt durch ein feinmaschiges, aber starkes Drahtgitter, geschützt ihren ersten Sommer verbringen.  

Auch vor Parasiten und Feuer sind sie in meinem Gehege geschützt.

 

männlicher Penis

das eigentliche männliche Geschlechtsorgan, der Penis, ist nicht der Schwanz der Schildkröte. Er befindet sich in der Kloake.