Das Schildkrötengehege

Wenn wir Schildkröten außerhalb ihres natürlichen Lebensraum pflegen wollen,  so ist es unsere Pflicht ihnen diesen so gut als möglich zu ersetzen.

 

Dabei müssen wir auf die Bedürfnisse der Tiere und nicht auf unsere eigenen eingehen.

Schildkröten fühlen sich in einem Garten mit schön geschnittenen, englischen Rasen nicht wohl, sie brauchen "Unordnung" und Deckung, was nicht immer unseren optischen Idealen entspricht.

 

Schildkröten, die sich nicht durch Laute oder Beißen Aufmerksamkeit verschaffen können, sind darauf angewiesen, dass wir durch Beobachtung und Verständnis ihre Bedürfnisse erkennen, respektieren und ihnen dem entsprechend ihr Umfeld gestalten.

Wirkliche Freude an den Tieren können wir nur dann haben, wenn wir ihnen nicht beim Überleben, sondern beim Leben zusehen. Darum müssen wir der Gehegegestaltung ganz besonders viel Aufmerksamkeit schenken. Schließlich ist es nicht nur das Tier, sondern das gesamte Drumherum, was dieses Hobby ausmacht.

 

Nur wenn man es von Anfang an richtig macht, kann man sich ein Leben lang an den Tieren erfreuen.

Ob die Tiere in Gruppen oder besser alleine gehalten werden, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen.

Tatsache ist, dass Jungtiere meistens wie Trauben aneinander „kleben“, was natürlich nicht verwunderlich ist, da ja schließlich auch die Eier nicht einzeln eingelocht werden, sondern ein ganzes Gelege umfassen. Üblicher Weise von verschiedenen Weibchen, die alle das gleiche Gebiet zur Eiablage nutzen. Dadurch entsteht in diesen Gebieten fast ein ganzes „Minenfeld“ und alle Jungtiere schlüpfen in derselben Jahreszeit und bewegen sich in den ersten Jahren nicht weit weg von ihrem Geburtsort.
 

Mit etwa 4 Jahren trennen sich die Tiere und auch dann leben sie nicht als Einzelgänger, sondern eher in offenen Verbänden. Sie begegnen sich, sie registrieren sich auch wenn sie keinerlei soziale Kontakte untereinander erkennen lassen. Sie leben also nicht in Gruppen, aber auch nicht einsam.
 

Ich selbst halte meine Tiere nicht einzeln, habe aber ein entsprechend großes und wild strukturiertes Gehege. So können sich die Tiere gut aus dem Weg gehen.  

Griechische Landschildkröten leben sehr versteckt.  

 

Niedrige Büsche bieten ihnen guten Schutz vor Raubvögel und anderen Prädatoren. In Wurzeln, aber auch im Pflanzenfilz von ausgedörrten Grasbüscheln graben sich die Tiere enge Höhlen, die ihnen auch Schutz vor der sengenden Sonne bieten. Dort verdösen sie in Ruhe einen heißen Tag.

 

Mein Gehege liegen an einen Südhang, so haben die Tiere von früh bis spät Sonne.
Jedem einzelnen Tier stehen weitaus mehr als 10 m² Fläche zur Verfügung.
Da der Boden, hier wo ich lebe, sehr schwer und lehmig ist, eignet er sich nicht gut um mediterrane Gewächse darauf gedeihen zu lassen. Dem entsprechend musste ich ihn mit Sand und Kalksplitt versetzen um ihn lockerer und wasserdurchlässiger zu machen.

So trocknet dieser nach einem heftigen Gewitter bald ab.

So können sich viele mediterrane Gewächse, wie Salbei, Rosmarin, Lavendel, Thymian und vieles mehr auch hier, im österreichischen Alpenvorland, gut entwickeln.

 

 Bericht über den Bau meines Freigeheges

Um eine gute Struktur ins Gehege zu bringen wurden viele große Steine, Wurzeln und Büsche eingebaut. Die Tiere nützen diese sehr gerne um ungestört in ihren Verstecken zu dösen.
Dazwischen wachsen sämtliche Futterpflanzen, die nicht nur gerne gefressen werden, sondern auch in einer derartigen Vielfalt das Gehege zieren, dass es eine reine Augenweide ist in dieses Stück wildes Land zu schauen.

Die großen Steine und Schotterinseln dienen auch als Wärmespeicher. Durch die Sonne erwärmt sich das Gestein sehr rasch, speichert diese Wärme und gibt sie langsam wieder ab. Das wissen auch die Schildkröten und dem entsprechend nutzen sie diese Wärmespeicher für kühle Abende.


Leider haben wir hier in Österreich nicht das Klima, welches den sonnenhungrigen Tieren zusteht und so muss mittels Frühbeeten und Gewächshäusern nachgeholfen werden.

Ein gutes Frühbeet oder Gewächshaus ist das Um und Auf von guter Schildkrötenhaltung

 

In unserem Land haben wir viel zu wenig Sonnenstunden und selbst dann, wenn sie einmal scheint, ist sie bei weitem nicht so intensiv und warm, wie es den wechselwarmen Schildkröten gebührt.

Im Frühling und im Herbst ist es oft zu kalt um den Tieren ein annähernd naturnahes Klima bieten zu können. Mit einer so extremen Kälte, wie wir sie kennen,  können die Tiere nicht leben und eine Winterstarre von 6 bis 7 Monaten wäre doch auf Dauer zu lange

Um die Tiere dauerhaft gesund zu halten ist eine entsprechende Aufwärmmöglichkeit notwendig. Ein kleines Glashäuschen, wie es auch im Gemüseanbau verwendet wird, ist eine gute Lösung.

Ein Gewächshaus hat gegenüber einem Frühbeet den Vorteil, dass es meistens geräumiger ist und man auch selbst das wunderbare, mediterrane Klima genießen kann.
Damit sich die Tiere dort auch richtig wohl fühlen, sollte es ebenso gut wie auch das Gehege, strukturiert sein.
Durch das milde Klima im Gewächshaus kann man sich über Gewächse wie ein Zitronen-, Orangen- und Olivenbäume, aber auch über andere südländische Mittelmeergewächse freuen. Diese Pflanzen würden das österreichische Voralpenklima unter freien Himmel nicht überstehen.
Auch ein kleineres Frühbeet kann man mit niedrigen Gebüschen, wie Lavendel, Salbei oder Thymian bepflanzen und mit Höhlen und Wurzeln entsprechend strukturieren.

Schildkröten fühlen sich in engen Höhlen, in denen sie sich gerade um sich selbst drehen können wohler als in geräumigen Häuschen. Wenn sie mit ihrem Panzer die Wände erspüren können, fühlen sie sich sicher und geborgen.
Umso wohler sich die Tiere in ihrem Glashaus fühlen, desto eher wandern sie jeden Abend selbständig hinein. Das bietet auch einen guten Schutz gegen nächtliche Prädatoren.

Bei der Qualität des Gewächshauses/Frühbeets sollte man nicht sparen – je hochwertiger das Material ist, desto besser ist das dort herrschende Klima.
In der Übergangszeit, wenn die Sonne über längere Zeit nicht scheinen will, kann es sogar notwendig sein mittels zusätzlichen Wärmelampen den Tieren die Sonne zu ersetzen. 

Hier finden sie mehr Information über die Notwendigkeit von Licht und Wärme: Sonne kann durch nichts ersetzt werden
Und hier die gesamte Übersetzung der Arbeit

Um die Tiere im Hochsommer, wenn es auch bei uns sehr heiß werden kann, vor Überhitzung zu schützen, sollte man das Frühbeet öffnen können. Dazu gibt es vollautomatische Heber, die den Deckel ab einer bestimmten Temperatur selbständig öffnen.

Wenn es bei uns, im Frühling über längere Zeit gar nicht warm werden will, dann kann man die Sonne auch mittels Wärmestrahler ersetzen.

So können sich die Tiere in ihrem mediterran eingerichteten Glashäuschen  richtig gut aufwärmen und ihren gesamten Stoffwechsel aufrechterhalten.

Bericht über den Bau von meinem Gewächshaus

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